Eine Blume am Wegesrand

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Noch vor wenigen Tagen, war hier, soweit mein Blick reichte, eine wunderschöne bunte Blumenwiese. Es waren Blumen in gelb, blau, weiß, lila und rosa, dazwischen standen die schönsten Gräser und diese machten die Wiese perfekt. Jedes Mal wieder, blieb ich vor dieser Wiese stehen und bewunderte diese Blütenpracht. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge flogen über die Wiese und summten ihre fröhlichsten Lieder. Sie lebten in Überfluss und naschten an jeder Blüte, Grashüpfer benützten die Blumen als Sprungbrett und hüpften um die Wette.

Auch heute führt mich mein Weg hier vorbei, jedoch, wo vor wenigen Tagen noch diese schöne Wiese stand, sehe ich nun, nur ein abgemähtes Feld. Kein Summen der Bienen dringt an mein Ohr, kein Schmetterling schwebt durch die Lüfte und dem Heuschreck fehlt das Sprungbrett.

Und wie mein Blick traurig über die abgemähte Wiese schweift, sehe ich am Wegesrand eine Blume, ganz allein steht sie hier, stolz und aufrecht zieht sie meinen Blick auf sich. Wäre die Wiese noch voller Blumen, hätte ich sie wohl nicht bemerkt und wäre ohne einen Blick für sie, an ihr vorbei gegangen.

Warum du schöne Blume, hat gerade dich der Rasenmäher nicht erwischt, war es Glück, war es Bestimmung, oder hast du es dir so sehr gewünscht? Egal warum, egal wieso, nun stehst du hier und ziehst alle Blicke auf dich. Nie hätte ich dich bewundert, nie hätte ich über dich geschrieben, denn du warst eine von vielen.
Als hier noch eine schöne Blumenwiese war, pflückte ich so manch schönen Blumenstrauß. Auch dich hätte ich pflücken können und du hättest einige Tage mein Zuhause geschmückt, doch inzwischen wärst du schon verwelkt. Doch du bist mir entwischt, ich habe dich in der Menge wohl übersehen, die anderen gaben dir wohl Schutz. So stehst du nun allein hier und niemals würde ich dich pflücken, denn hier bist du nur eine Blume und wichtig für all die kleinen Tierchen.
Ein jeder der an dir vorbei geht sieht dich an, du wirst bewundert, beachtet, man spricht über dich. So mancher will deinen Namen wissen und einigen Menschen wirst du in Erinnerung bleiben. Sie werden sich fragen: „Was macht diese eine Blume hier?“
Sie kennen deine Geschichte nicht, du warst einmal eine Blume von vielen und wurdest übersehen, so manches Mal dachtest du: „Bin ich überhaupt wichtig?“
Du wurdest unterdrückt, die anderen Blumen waren grösser als du, sie nahmen dir das Sonnenlicht, du warst eine von vielen. Die Bienen und all die kleinen Tierchen flogen an dir vorbei, keiner wollte von dir naschen.

All die anderen Blumen waren grösser, schöner, bunter, sie konnte man nicht übersehen. Oft warst du traurig, wolltest doch so gerne von einer Biene geküsst, von einem Schmetterling gestreichelt werden, so manchen Heuschreck hättest du so gerne als Sprungbrett gedient.
Und so stelltest du dir manchmal die Frage:
Wie wäre es, wäre ich allein auf dieser Wiese?“

Und dein Wunsch ging in Erfüllung, zu Beginn war es für dich herrlich, du warst begehrt, alles drehte sich nur um dich, Bienen, Schmetterlinge, alle kamen nun zu dir. Ja, selbst der lustige Heuschreck, benutzte dich voller Übermut. Stolz drehtest du deinen Blütenkopf der Sonne entgegen, du wurdest größer, stärker und hattest genug Platzt, für einige Zeit hast du es auch sehr genossen. Jedoch wenn der Wind stark blies, wenn es in der Nacht kühl war und der Regen auf dich herab viel. In diesen Momenten fehlten dir deine Blumenschwestern, es fehlte der Zusammenhalt, die Geborgenheit, sogar das Gedränge fehlte dir. Du fühltest dich einsam und wurdest traurig, du hattest Sehnsucht nach deinen Blumenschwestern. Es war dir nun egal, ob du schön warst oder nicht, du wolltest nicht mehr „nur die Eine, die Schöne, die Begehrte sein“ du wolltest wieder eine von vielen sein.

Und so wurde die eine Blume am Wegesrand vor Sehnsucht krank, sie verwelkte und zog sich in die Erde zurück. Begleitet wurde sie von schönen Träumen, denn sie wusste:

Nächstes Jahr komme ich wieder und dann werde ich wieder eine von vielen sein“

Sie wird in der Menge wirken, wird sich bei Wind und Regen an ihre Blumenschwestern anlehnen und die Geborgenheit genießen. An ihren süßen Nektar werden viel Tierchen naschen und sich an ihr erfreuen. Sie wird wohl eine besondere Blume werden, denn sie weiß, was die anderen nicht wissen und die Farbe ihrer Blüten, wird alle anderen überstrahlen. Und wer weiß, vielleicht wird sie nächstes Jahr, in einer schönen Vase mein Zuhause zieren.

Ja, was will uns diese Geschichte wohl sagen?

Allein bist du die Schönste, Beste, es gibt ja keinen Vergleich.
Doch bist du auch einsam, ungeschützt, ungeliebt, kannst dein Leid und deine Freude mit keinem teilen.
Darum lieber eine von vielen, geliebt, geborgen, beschützt.
Einzigartig kannst du auch in der Menge sein, es liegt nur an dir.

 

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Über die Autorin
Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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