Die lustige WG im Hochbeet

Jetzt teilen
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

 

Ein buntes Durcheinander voller Gemüse-Geheimnisse herrscht in meinem Hochbeet. Die Gurken schleichen sich an die Tomaten heran und tun so, als hätten sie alles unter Kontrolle.

Der Paprika hingegen macht sich keinen Stress. Er lehnt sich gemütlich zurück und genießt ihren Logenplatz im Schatten der Gurken.

Die Aubergine drückt sich an die Tomaten wie ein verliebterTeenager. Und die Bohnen? Die rücken aus dem Nachbarbeet an – wie neugierige Nachbarn, die gehört haben, dass es hier besonders spannend zugeht.

Ja, in meinem Hochbeet spielt es sich ab!

Eines Morgens raschelt es plötzlich gewaltig im Blätterdach.

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, fragt die Tomate genervt. Die Gurke lugt zwischen den Blättern hervor und flüstert: „Psst! Ich glaube, die Gießkanne kommt!“

Sofort herrscht Aufregung. Die Bohnen richten sich auf, die Aubergine versucht, besonders elegant auszusehen, und die Paprika bleibt ganz entspannt.

„Nur keine Panik“, murmelt sie. „Ein bisschen Wasser hat noch niemandem geschadet.“

Als die ersten Tropfen fallen, strecken schließlich alle ihre Blätter dem Himmel entgegen. Und plötzlich ist es ganz still. Kein Gezanke, kein Getuschel, kein Gerangel um den besten Platz.

Denn eines haben die Bewohner meiner Gemüse-WG inzwischen verstanden: Jeder ist anders, jeder braucht ein bisschen Platz – aber gemeinsam wachsen sie einfach am besten.

Und so bleibt mein Hochbeet auch weiterhin die lustigste WG weit und breit: mit viel Grün, noch mehr Gemüse und garantiert jeden Tag einer neuen Geschichte.

Wenn ich abends daran vorbeigehe, habe ich manchmal das Gefühl, die Gurke kichert noch leise: „Morgen erzählen wir dir, was die Bohnen wieder angestellt haben …“

Am nächsten Morgen herrschte plötzlich ein riesiges Durcheinander im Hochbeet.

Die Bohnen hatten sich über Nacht auf Wanderschaft begeben. Eine hatte sich frech an einem Tomatenstab hochgerankt, eine andere baumelte quer über der Paprika, und eine besonders neugierige Bohne hatte es sogar geschafft, sich zwischen zwei Gurkenblättern hin durchzuschlängeln.

„Hey! Das ist mein Platz!“, schimpfte die Gurke. „War nur auf Besuch!“, kicherte die Bohne.

Die Tomaten kicherten im Hintergrund. Die Paprika tat so, als würde sie nichts bemerken, und die Aubergine seufzte: „Mit diesen Nachbarn wird es wirklich nie langweilig.“

Da kam eine besonders lange Bohnenranke um die Ecke und verkündete stolz: „Wir haben beschlossen, eine WG-Erweiterung zu bauen!“

„Eine was?“, fragte die Tomate erschrocken. „Eine grüne Hängebrücke!“

Und tatsächlich: Die Bohnen hatten sich über mehrere Pflanzen hinweggerankt und bildeten eine kleine grüne Brücke quer durch das Hochbeet. Alle schauten sich das Kunstwerk erstaunt an.

„Na gut“, sagte die Gurke schließlich. „Sieht eigentlich ziemlich gemütlich aus.“ „Habe ich doch gesagt!“, rief die Bohne stolz.

Seit diesem Tag gab es im Hochbeet eine neue Regel: Jeder durfte wachsen, wohin er wollte – solange niemand dem anderen die Sonne klaute.

Und wenn die Bohnen mal wieder über die Stränge schlugen, mussten alle lachen.

Denn in dieser Gemüse-WG war eines sicher: Langweilig wurde es nie. Und am Ende wuchsen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Freundschaft.

Natürlich machte auch die Tomate weiterhin ihren Schabernack. Gemeinsam mit der Aubergine war sie dabei kaum zu bremsen.

Eines Tages erzählte die Tomate einen so schlechten Witz, dass die Aubergine vor Lachen fast von ihrem Platz purzelte.

Die Gurken kringelten sich vor Vergnügen, die Bohnen wackelten mit ihren Ranken, und selbst die Paprika musste schmunzeln.

Die Tomate aber lachte so sehr, dass sie dabei immer röter und röter wurde. „Schaut nur!“, rief eine Gurke. „Die wird ja ganz rot!“ „Das kommt nur vom Lachen“, japste die Tomate.

Doch dann kam der große Schreck. Denn genau diese schöne rote Farbe war das Zeichen dafür, dass die Tomate reif war. Und ehe sie sich versah, kam die Hand der Gärtnerin und pflückte sie.

„Oh nein!“, rief die Aubergine. „Unsere lustigste Mitbewohnerin!“
Doch auch die Gurken mussten sich bald verabschieden. Eine nach der anderen wurde geerntet.

Und als wäre das noch nicht genug, ging es schließlich auch der Aubergine an den Kragen. „Das kann doch nicht wahr sein!“, jammerte sie. „Ich war doch gerade erst richtig schön!“ Die Bohnen schauten etwas nervös drein. Auch bei ihnen wurden die Fisolen immer weniger. „Wir sind die Nächsten!“, flüsterten sie. Aber die Paprika blieb ganz gelassen.

„Keine Sorge“, sagte sie. „Im Hochbeet ist noch lange nicht Schluss.“

Und tatsächlich: Kaum war eine Fisole geerntet, wuchs schon wieder eine neue nach. Zwischen den Blättern versteckten sich kleine grüne Schoten, die jeden Tag ein bisschen größer wurden.

Auch neue Blüten öffneten sich, neue Früchte wuchsen heran, und überall raschelte und scherzte es wieder.

Die Gemüse-WG hatte sich verändert – aber sie war noch lange nicht leer.

Denn so ist das Leben im Hochbeet: Wenn sie reif sind, werden sie geerntet und machen Platz für die nächsten.

Und so blieb am Ende alles beim Alten: Es wurde gelacht, gerankt, gewachsen, geerntet und wieder neu angefangen. Irgendwo zwischen den Blättern hörte man schon eine kleine Bohne flüstern: „Psst … ich glaube, die nächste Tomate ist schon unterwegs!“

Der Paprika seufzte zufrieden: „Na wunderbar. Dann kann der Schabernack ja weitergehen.“

 

 

 

Und damit war klar:

Langweilig wurde es nie in meinem Hochbeet – und am Ende wuchsen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Freundschaft.

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Geschichten

Kräuterbuschen binden zu Maria Himmelfahrt

  Bei herrlichem Sommerwetter trafen sich die Kräuterfrauen zu einem besonderen Workshop inmitten unseres liebevoll gepflegten Kräutergartens. Im Mittelpunkt stand das traditionelle Binden von Kräuterbuschen

Der ersehnte Regen

  Als Kathi heute Morgen ihre Terrassentür öffnete, drang ihr eine erfrischend kühle Luft entgegen. Es lag eine stille Zufriedenheit über der Landschaft. Die Luft

Die Magie des Regenbogens

Helmut war an diesem Morgen schon sehr bald munter geworden. Er blickte auf seinen Wecker und war erstaunt, dass es erst 5:00 Uhr war. So

Lottis bunter Gartenteller

  „Was gibt es heute zu essen?“, fragte sich Lotti am Morgen. „Na, ich schaue einfach einmal in meinen Garten und sehe, was mir die

Schreib mir was Nettes

Du hast Fragen oder möchtest mir gerne etwas mitteilen? Feedback, Anregungen?

Willkommen bei den kleinen Geschichten!

Hier findet ihr Texte, Gedichte und kleine Weisheiten aus dem alltäglichen Leben. Geschichten die das Leben schreibt.

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest.

Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken
.

Eure Liselotte