Verzeihen

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Verzeihen heißt nicht vergessen oder etwas zu entschuldigen, verzeihen, heißt den inneren Frieden finden!

Jedes Mal, wenn Isabella zu ihren Tanten auf Besuch kommt, wird ihre Mutter traurig. Viele Jahrzehnte ziehen an Melissa vorbei, wie gerne würde sie die Zeit zurückdrehen, bis zu der Zeit, da sie ihre Tochter zurückließ.

Doch zu damaliger Zeit ging es Melissa nicht gut, sie war in ihrer Ehe unglücklich, sie war mit ihrem Leben nicht zufrieden. Sie wohnte in einem Haus mit ihrem Ehemann, der sehr abhängig von seiner herrschsüchtigen Mutter war.
Melissa war nach etwas auf der Suche, doch nach was, das wusste sie selbst nicht. Als sie Schwanger wurde dachte sie, nun wird alles gut und für die nächsten Monate war es auch so. Die Schwangerschaft verlief gut, alle waren glücklich und freuten sich auf das Baby.
So kam die Zeit und Melissa hat ein gesundes Mädchen entbunden, die Welt schien perfekt, sie liebte ihr kleines Mädchen und gab ihr, ihre ganze Liebe.

Doch nach einiger Zeit wurde Melissa unglücklich, sie spürte es musste etwas geschehen, so kann und will ich nicht weiterleben. Sie sprach von Trennung und ihre Schwiegermutter sagte zu ihr. „Wenn du gehst, bleibt das Kind bei uns, bei ihrem Vater und bei mir, du weißt nicht wohin und was du willst, du kannst für dein Kind nicht sorgen.“ Melissa war ihrer Schwiegermutter nicht gewachsen und im Grunde hatte sie nicht ganz unrecht. Sie musste sich erst ein neues unabhängiges Leben aufbauen und dann werde ich mein Mädchen zu mir holen. Ihre Schwiegermutter sagte: „Du kannst Isabella jederzeit besuchen, auch sie kann immer, wenn sie möchte zu dir kommen.

Melissa glaubte ihrer Schwiegermutter und so kam der Tag, dass Melissa mit schweren Herzen und unter Tränen das Haus verließ, zurück blieb die kleine Isabella.

Für Melissa begann eine sehr wechselhafte Zeit, es ging ihr oft schlecht, dann hatte sie auch wieder gute Zeiten. Sie litt unter Depressionen und Schuldgefühlen ihrer Tochter gegenüber, doch sie war zu schwach, um dieses Leben zu ändern.

In den nächsten Jahren bekam Melissa ihre Tochter selten zu sehen, die Schwiegermutter hielt Isabella mit vielen Ausreden von ihr fern. Das Mädchen wuchs in den Glauben auf, ihre Mutter habe sie einfach zurückgelassen. Ihre Oma sprach immer nur schlecht über Melissa und so hörte sie nie etwas Gutes über ihre Mutter. Es vergingen viele Jahre und hin und wieder besuchte Isabella ihre Mutter, wenn es zuhause nicht gut lief, sagte sie zu ihrer Mama: „Ich möchte bei dir bleiben“ Für Melissa war das wie ein wunderschöner Traum, doch wusste sie, dieser Traum werde sich nie erfüllen, dafür würde ihre Schwiegermutter schon sorgen.

Inzwischen war Isabella schon sehr schlau, sie kam zu ihrer Mutter, um sich verwöhnen zu lassen und nachdem sie alles bekommen hatte, war sie wieder fort. Das ging über viele Jahre so und Melissa war immer sehr traurig, wenn Isabella wieder fort war. Doch Isabella sah einiges bei ihrer Mutter und dieses gefiel ihr nicht, sie erzählte es ihrer Oma und diese bestätigte ihr dann jedes Mal wieder, wie unfähig ihre Mutter sei.

Isabella wuchs gut behütet auf, sie hatte eine schöne Kindheit und es fehlte ihr an nichts.  Sie wuchs zu einem selbstsicheren Mädchen heran und wusste genau was sie wollte.

Inzwischen ist Isabella zu einer zielstrebenden Frau geworden. Den Kontakt zu ihrer Mutter hat sie komplett abgebrochen, sie möchte nicht mehr über sie sprechen.

Melissa hat inzwischen ihren Platz im Leben gefunden und sie wünscht sich nichts mehr, als mit ihrer Tochter sprechen zu können. Sie möchte gerne verstehen, warum Isabella so abweisend zu ihr ist. Sie kennt den wahren Grund dafür nicht, immer wieder stellt sie sich die Frage: Warum?

Ihre Tanten versuchen, wann immer es möglich ist mit Isabella zu sprechen. Sie sagen ihr, deine Mutter wollte dir nie etwas Böses, sie wollte dir nie weh tun. Im Grunde tat sie sich selber am meisten weh. Sie war damals noch Jung und hatte ihre Probleme, sie war unglücklich und fühlte sich nicht verstanden.
Das ein kleines Mädchen, das alles nicht versteht, ist, verständlich, doch als erwachsene Frau?

Isabella hatte auch schon viel erlebt und nicht alles war richtig, auch ihr Leben lief nicht immer rund. Wer lebt schon ohne Fehler und wem wurde nicht schon verziehen. Also, warum kann oder will Isabella ihrer Mutter nicht verzeihen?

Es muss doch möglich sein, dass Mutter und Tochter miteinander sprechen, das beide die Gelegenheit bekommen, den anderen zuzuhören.
Isabella sagt zwar, ich will nicht darüber sprechen, ich habe damit abgeschlossen. Doch wie kann sie mit einer Geschichte abschließen, die sie nicht wirklich kennt.

Tief im Herzen ist Isabella wütend, sie fühlt sich verletzt, was hat ihr, ihre Oma für Lügen erzählt? So viel würde es zu bereden geben, so viele Missverstände gehörten aufgeklärt.

Warum will, oder kann Isabella mit ihrer Mutter nicht reden?

Weiß sie, überhaupt was sie ihrer Mutter verzeihen soll. Weil sie, sie verlassen hat, weil sie ohne Mutter aufgewachsen ist? Viele Kinder wachsen ohne Mutter auf und nicht immer kann eine Oma eine Mutter ersetzen. Die Türen ihrer Mutter standen Isabella immer offen, ihre Mutter war nie böse zu ihr.

„Wer die erlittenen Verletzungen wirklich verarbeiten will, muss lernen loszulassen und zu verzeihen“ Es kann auch sein das sich Isabella als Opfer sieht, doch um ihren Seelenfrieden zu finden, muss sie sich von ihrer Wut befreien. Vielleicht möchte sie durch Nichtbeachtung ihre Mutter bestrafen, Rache nehmen?
Nicht verzeihen, kann auch eine Art von selbst Verletzung sein. Oder hat sie vielleicht Schuldgefühle und durch Schweigen glaubt sie, es gibt sie nicht?

Wann immer ihre Tanten sie ansehen, sagen sie hinterher, sie hat so viel von ihrer Mutter. Die Art wie sie sich bewegt, wie sie spricht, ihr Äußeres, selbst ihre Verletzbarkeit.
Würde Isabella selbst erfahren, wie es ist eine Mutter zu sein, würde sie das Gefühl, Mutterliebe selbst verspüren. Vielleicht wäre sie dann einsichtiger und würde sich mit ihrer Mutter aussprechen. Doch leider wird sie dieses Gefühl nie kennen lernen, sie kann nie eine Mutter werden.

Melissa wird sich ihr ganzes Leben nach ihrer Tochter sehnen und sie wird die Hoffnung nie aufgeben, eines Tages mit Isabella über alles reden zu können. Einen kleinen Platz in ihrem Leben finden und ein wenig für sie da sein.

Wäre das Leben wie ein Buch, könnte man einige Kapitel überspringen und weiterlesen (Leben) kurz vor dem Happy End, wie einfach wäre das Leben!

Wenn der Verstand sagt, ich möchte über das Probleme nicht sprechen, ist er ein schlechter Ratgeber. Denn ein Problem, das dich belastet bleibt bestehen, es frisst sich ganz langsam in dein Herz und in deine Seele. Es wird zum Geschwür und vergiftet schleichend deinen Körper. Und wenn es nicht entfernt wird, wirst du irgendwann daran erkranken.

 

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Über die Autorin
Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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