Stille Gedanken

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Still sitze ich am Bett eines mir lieben Menschen und ich weiß, ich sehe sie zum letzten Mal. Ihr Leben war nicht immer leicht, ihr Körper war seit Kindertagen geplagt, doch sie ertrug es tapfer ein Leben lang. Ich kannte sie nur als liebevollen Menschen, sah sie nie mit schlechter Laune, trotz ihres Leidens.

Und nun sitze ich hier an ihrem Bett und halte ihre Hand. Ihr Atem geht ruhig, was um sie herum geschieht, ist für sie schon weit entfernt. Das Leben hält sie nur noch zart an einer Hand, mit der zweiten Hand greift sie schon nach dem Himmel. Ihr Körper, ihr Herz und ihre Seele möchten nun in Frieden zu ihren Lieben gehen, diese schon lange vor ihr diese Welt verlassen hatten. Niemand dachte daran, dass sie so plötzlich diese Welt verlassen würde, es kam für ihre Kinder zu plötzlich. Doch es blieb ihnen noch genügend Zeit, um sich zu verabschieden, sich noch alles zu sagen was wichtig ist. Die Mutter konnte den Kindern noch sagen, was und wie sie alles geregelt haben möchte und mit diesem Gedanken fand sie ihre Ruhe und ihren Frieden.

Zum Abschied drücke ich nochmal ihre Hand und lass sie mit traurigen Herzen los. Wie immer, wenn ein entscheidendes Ereignis geschieht, wird man nachdenklich und denkt über das Leben nach. Wie schnell es zu Ende sein kann und was wird dann bleiben? Was war wirklich wichtig und mit was hat man seine Zeit umsonst vertan. Was habe ich für meine Nachwelt hinterlassen und wie werden sie mich in Erinnerung behalten?

Wie oft habe ich mir doch vorgenommen: „Ich sollte mich melden, sollte sie doch wieder einmal besuchen. Doch immer wieder kam etwas dazwischen und so wurde es auf irgendwann verschoben. Und irgendwann kommt dann die Zeit, da sagt man sich: „ Ach hätte ich doch…“ (Werde ich mich ändern, oder bleibt es wie es ist, bin ich doch nur ein schwacher Mensch mit Vorsätzen?)

An der Tür drehe ich mich noch einmal um und sehe in ihr ruhiges, friedliches Gesicht. Wie wird es ihr wohl gehen, an was denkt sie nun? Es werden ihre Kinder sein an die sie denkt, denn sie weiß, diese muss sie nun zurücklassen. Ein gutes Mutterherz verlässt ihre Kinder nur schwer, sie würde so gerne, für immer bei ihnen bleiben.

Noch hat sie das Tor des Lebens nicht ganz geschlossen, noch steht sie dazwischen. Sie sieht zurück und nach vorne, wenn sie zurücksieht, schmerzt ihr Herz ein wenig, doch sie weiß, es ist an der Zeit. Wenn sie nach vorne sieht, ist ihr Herz ganz leicht und sie weiß, es ist gut so. Sie sieht viele Menschen hinter dem Tor, die sie geliebt hat und die schon lange vor ihr durch das Tor gegangen sind. All diese Menschen erwarten sie bereits und nehmen sie mit Liebe in Empfang.
Die Kinder begleiten ihre Mutter auf ihren letzten Weg und niemand weiß, ob es einen gemeinsamen neuen Tag geben wird.
Nicht jeder bekommt die Chance, seine Mutter auf ihren Letzten Weg zu begleiten, dieser ist traurig und schön zu gleich. Doch ein Leben lang, werden sie an die letzten gemeinsamen Stunden, Tage denken und keine Minute davon möchten sie missen.

„Wenn ein Mutterherz aufhört zu schlagen, wird im gleichen Moment ein heller Stern am Himmel erscheinen. Dieser Stern wird ihre Lieben beschützen, bei Tag und bei Nacht. Auch wenn dieser Stern nicht zu sehen ist, weil er von Wolken verdeckt, oder weil es am Tage ist.  Doch für jeden Menschen steht ein Stern mit einem Herz am Himmel. Und wenn du einmal traurig bist, oder sehr glücklich, schau in den Sternenhimmel und du erkennst, „deinen“ Stern sofort.“

 

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Über die Autorin
Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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