Lotte und der Winter ihres Lebens

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Über Nacht ist er gekommen, der Lebenswinter.“

Lottes Baum ist schwer mit Schnee bedeckt, er hat schwer zu tragen. Dieser Winter hat eine Kälte wie schon lange nicht mehr und es schneite schon tagelang.
Lotte war schon lange nicht mehr bei ihren Baum, der Weg war für sie schon zu beschwerlich geworden, sie sah ihn jedoch jeden Tag von ihrem Fenster aus.
Doch heute hielt sie es nicht mehr länger aus, es war wie ein Zwang, es war als hörte sie ihren Baum flüstern.

 Lotte, komm zu mir, heute bringe ich dich nachhause.“

Langsam und mit schweren Schritten erreichte sie ihren Baum, wischte den Schnee von ihrer Bank  und nahm erschöpft Platz.
Hier saß sie nun an diesen kalten Wintertag (ihr Lebenswinter) und die innere Ruhe stellte sich ein.

Ihren Blick richtete sie wie immer in die Baumkrone ihres Baumes, kein Blatt war zu sehen, die Äste waren kahl. Schneeflocken tanzten ganz sanft auf ihr graues Haar.
Ein paar Vögel saßen aufgepustet auf den Ästen und zwitscherten leise für Lotte ein Lied.
Sie dachte an gestern wie schön es da war, Kinderlachen und Kinderlieder waren zu hören, ihre ganze Familie war gestern bei ihr.

(Nun wusste sie auch warum, es war wohl ein auf wiedersehen sagen, ein Abschied nehmen, danke meine Lieben, dass ich euch noch alle sehen durfte).
Ihre Kinder, Enkelkinder, ja, sogar die Urenkel waren hier, wie groß ist doch ihre kleine Familie geworden.
Immer ruhiger wurde Lotte, Bilder tauchten vor ihr auf, sie sah ihr ganzes Leben so klar vor sich.
Sie sah sich in ihren jungen Jahren, wie glücklich ihre Jugend war. Sie sah ihre Kinder tanzend unter dem Baum, auch die Schaukel, die ihr Mann an den Baum band.
Sogar den Duft der Blüten konnte sie nun riechen, die im Frühling den Baum schmückten. Selbs die Süße der Früchte konnte sie schmecken, die ihr Baum jedes Jahr reichlich trug.
Bei den nächsten Bildern musste sie lächeln, sie sah, wie sie als junges Mädchen Herzen in den Baumstamm ritzte. Auch wenn sie nicht mehr hier ist, die Herzen im Baumstamm werden bleiben und man wird sich an sie erinnern.
Es war alles so realistisch zum Greifen nah, sie war versucht nach den Dingen zu greifen, doch hatte sie Angst, dass dann alles verschwand.

In diesen Moment der Glückseligkeit, überkam sie ein Gefühl, als würde ihr Baum sie umarmen und er flüstert ihr zu. Sie war berührt von seiner Liebe und hörte ihm genau zu.

Lotte meine Freundin, ich nehme dich nun mit, ich bringe dich an einen schönen Ort.“

Ja, mein alter Freund sagte sie, ich weiß dass ich in dir weiter leben werde. Meine Asche werden sie bei deinen Wurzeln beisetzten, so nimmst du mich auf und wir werden eins.

Im Frühling, wenn der Baum stolz seine Blüten trägt, werden Bienen sich an dem Nektar laben. Die Vögel werden sich an den Früchten erfreuen, selbst die kleinsten Käfer werden etwas finden.
So werde ich sie alle laben und sie werden mich in die Welt hinaus tragen. Diese Gedanken machten Lotte froh und so verließ sie glücklich und mit einem Lächeln diese Welt.

Als ihr Mann Lotte fand, saß sie mit einem so friedlichen und glücklichen Gesicht auf ihrer Bank, dass er trotz des Verlustes glücklich für sie.
Er sagte zärtlich und mit Tränen in den Augen:

Lotte, bald komme ich zu dir, unser Treffpunkt ist hier.“

Lottes Baum wurde von Jahr zu Jahr schöner und wer unter ihm saß, ging mit einem Gefühl von Zufriedenheit und Ruhe seines Weges.

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Über die Autorin
Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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