Noch einmal von Mama getröstet werden

Jetzt teilen
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

 

Und immer wieder gibt es Tage, da sitze ich nur da und denke mir:
„Noch einmal ein Kind sein und von Mama getröstet werden.“

Es gibt diese stillen Tage, an denen man einfach dasitzt und spürt, wie schwer das Leben manchmal auf einem lastet. Tage, an denen die Gedanken kreisen, ohne Ziel, ohne Richtung, und man sich selbst dabei ertappt, wie ein alter Wunsch wieder aufsteigt: Noch einmal ein Kind sein. Noch einmal in die Arme der Mutter sinken, so selbstverständlich, so bedingungslos, wie es nur in der Kindheit möglich war.

Damals war Trost etwas, das nicht erklärt werden musste. Man brauchte keine Worte, keine Begründungen, keine Stärke. Es genügte, dass sie da war. Die Art, wie sie die Tür öffnete, wie sie sich zu einem herunterbeugte, wie ihre Hände den eigenen Rücken fanden — all das hatte eine Kraft, die man erst viel später versteht. Sie sprach nicht viel, und doch sagte sie alles, was man hören musste. Ein leises „Schon gut“, ein sanftes Streicheln über den Kopf, und die Welt wurde wieder ein Ort, an dem man bleiben konnte.

Mit den Jahren lernt man, sich zusammenzureißen, zu funktionieren, Verantwortung zu tragen. Man wird erwachsen, und mit dem Erwachsensein kommt die Erwartung, sich selbst zu trösten. Doch tief in uns bleibt etwas, das sich nie verändert hat: die Sehnsucht nach genau dieser Art von Nähe, die nur eine Mutter schenken kann. Eine Nähe, die nicht fragt, nicht bewertet, nicht fordert. Eine Nähe, die einfach hält.

Und manchmal, wenn die Tage schwerer sind als sonst, spürt man dieses Bedürfnis deutlicher als alles andere. Dann wünscht man sich nicht die Kindheit zurück, sondern nur diesen einen Moment: die Wärme ihrer Hände, die Ruhe ihrer Stimme, das Gefühl, dass jemand da ist, der einen auffängt, ohne dass man stark sein muss.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns selbst im hohen Alter noch nach tröstenden Worten sehnen. Weil wir wissen, dass es Menschen gibt — oder gab — deren Trost uns auf eine Weise berührt hat, die kein Erwachsensein je ersetzen kann. Und weil ein Teil von uns immer dort bleibt, wo wir zum ersten Mal gelernt haben, was Geborgenheit bedeutet.

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Geschichten

Zwischen Moos und Morgentau

  Zaghaft erschien das erste Sonnenlicht am Horizont. Heute werde ich den neuen Tag im Wald begrüßen, dachte ich mir, und schlüpfte schnell in mein

Die Geschichten Schreiberin

  Es war einmal eine Frau, die Geschichten schrieb. Nicht in Bücher, nicht in Ordner – nein, auf lose Blätter, mit Tinte, mit Herz und

Trauer ist keine Frage der Zeit

  Trauer ist keine Frage der Zeit. Auch wenn sie sich verändert, sie bleibt für immer. Vielleicht schmerzt sie nicht mehr so sehr. Vielleicht weinst

Und die Welt dreht sich weiter

    Als ich nach dieser schlaflosen Nacht am Morgen aufgewacht bin, fiel es mir schwer, überhaupt aufzustehen. Das Erste, was ich sah, war der

Schreib mir was Nettes

Du hast Fragen oder möchtest mir gerne etwas mitteilen? Feedback, Anregungen?

Willkommen bei den kleinen Geschichten!

Hier findet ihr Texte, Gedichte und kleine Weisheiten aus dem alltäglichen Leben. Geschichten die das Leben schreibt.

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest.

Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken
.

Eure Liselotte