Ein letzter Gruß des Sommers

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Als ich heute auf meinen Kalender blicke, kann ich es kaum glauben: Es ist bereits Mitte Oktober, und das Wetter fühlt sich an, als wären wir noch mitten im September. Die Sonne scheint, der Himmel leuchtet in sattem Blau, und die milde Luft lässt mich für einen Moment vergessen, dass der Herbst längst Einzug gehalten hat.

Im Radio kündigt die Moderatorin jedoch einen Wetterumschwung an. Ab morgen soll eine Kaltfront über das Land ziehen. Ein leiser Gedanke macht sich in mir breit: Dann wird es wohl Zeit, noch einmal in den Garten zu gehen und die letzten Schätze des Sommers zu ernten.

Draußen empfängt mich mein Garten mit einer Fülle, die mich jedes Mal aufs Neue staunen lässt. Alles wirkt noch so frisch, kräftig und lebendig. Die Tomaten leuchten in sattem Rot, die Gurken und Auberginen tragen noch immer zahlreiche Blüten, als wollten sie mir versprechen, dass sie mich auch weiterhin mit ihren Früchten beschenken möchten. Doch ich weiß, dass die kühleren Tage nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Blüten, die jetzt noch voller Lebensfreude der Sonne entgegenstrahlen, werden bald zu Boden fallen, ohne ihre Früchte ausbilden zu können.

Mit einem Lächeln betrachte ich sie und bedanke mich still für die reiche Ernte dieses Sommers – für all die Farben, die Düfte und die köstlichen Früchte, die mein Garten mir geschenkt hat.

Mein Erntekorb füllt sich mit Tomaten, Gurken, Auberginen und einer bunten Vielfalt aromatischer Kräuter. Jeder Handgriff ist ein kleines Zeichen der Dankbarkeit, jede geerntete Frucht eine Erinnerung an die Fülle der vergangenen Monate.

Ein Teil der Kräuter wird sorgfältig getrocknet. So kann ich mich auch im Winter an ihrem Duft erfreuen und mit ihrem unverwechselbaren Aroma den Geschmack des Sommers in meine Küche zurückholen. Aus anderen werde ich ein würziges Kräutersalz herstellen – eine kleine Kostbarkeit, die mich noch lange an sonnige Gartentage erinnern wird.

Wie schon meine Großmutter und meine Mutter möchte auch ich einige Kräuter und Blüten auf besondere Weise bewahren. Mit viel Sorgfalt und Liebe verarbeite ich sie zu Salben und Cremes, zu kostbaren Ölen und Tinkturen. Aus ausgewählten Kräutern stelle ich außerdem duftende Teemischungen zusammen, die mich an kalten Wintertagen mit ihrem Aroma verwöhnen und wohltuende Wärme schenken werden.

Schon meine Vorfahren wussten die Schätze der Natur zu schätzen und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zu nutzen. Dieses wertvolle Wissen möchte ich weitertragen und für mich und meine Lieben bewahren. Es ist ein Erbe, das nicht in Büchern allein weiterlebt, sondern vor allem in den Händen und Herzen jener, die es mit Liebe pflegen und an die nächste Generation weitergeben.

So entstehen aus den Gaben meines Gartens kleine Kostbarkeiten, die mich durch die kalte Jahreszeit begleiten werden. Wenn uns dann das eine oder andere Wehwehchen plagt, werde ich dankbar zu meinen selbst hergestellten Naturprodukten greifen. Sie erinnern mich an die Fürsorge vergangener Generationen, an überliefertes Wissen und an meine tiefe Verbundenheit mit der Natur.

Es ist ein schönes Gefühl, ein Stück dieser alten Tradition weiterleben zu lassen – mit achtsamen Händen, offenem Herzen und dem Vertrauen in die kleinen Schätze, die uns die Natur schenkt.

Auch für die Tomaten und Auberginen habe ich bereits ein herrliches Rezept entdeckt. Allein der Gedanke daran lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wie schön ist es doch, wenn aus den Gaben des eigenen Gartens etwas Köstliches entsteht!

Noch wärmt mich die Sonne, noch liegt ein Hauch von Sommer in der Luft. Und doch spüre ich, dass es langsam Zeit wird, Abschied zu nehmen. Der Jahreskreis schließt sich. Die Tage werden kürzer, die Natur zieht sich allmählich zurück, und die Erde darf zur Ruhe kommen. Sie sammelt neue Kraft, um im kommenden Frühjahr wieder aufzublühen und uns mit frischem Leben zu beschenken.

Doch heute ist noch nicht die Zeit für Wehmut.

Heute genieße ich den blauen Himmel, die wärmenden Sonnenstrahlen und den Anblick meines Gartens. Ich lasse meinen Blick über die Beete schweifen, atme tief ein und nehme all die Schönheit in mich auf, die dieser besondere Oktobertag bereithält.

Mein Herz ist erfüllt von Glück und Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Fülle, für die kleinen Wunder der Natur und für all das, was wachsen, reifen und gedeihen durfte.

Während ich meinen Erntekorb nach Hause trage, weiß ich: Auch wenn der Sommer sich verabschiedet, wird ein Stück von ihm bleiben – bewahrt in getrockneten Kräutern, in duftendem Kräutersalz, in köstlichen Gerichten und in selbst gemachten Salben, Cremes, Ölen und Tinkturen. Auch meine Teemischungen werden mich durch die kalte Jahreszeit begleiten und mir an winterlichen Tagen ein wenig Wärme und Geborgenheit schenken.

So trage ich nicht nur die Schätze meines Gartens nach Hause, sondern auch ein Stück gelebter Tradition. Ganz im Sinne meiner Großmutter und meiner Mutter bewahre ich die Gaben der Natur mit Liebe und Achtsamkeit auf, damit sie mich und meine Lieben noch lange erfreuen können.

Denn der Sommer vergeht, doch seine Düfte, seine Farben und seine Fülle bleiben – in meinen Vorräten, in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen.

Und während die Natur zur Ruhe kommt, weiß ich: Jeder Abschied trägt bereits den Zauber eines neuen Anfangs in sich.

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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