Der erste Schnee

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Ganz zart und leise fällt der erste Schnee vom Himmel, unerwartet über Nacht, legt er sich über das ganze Land. Die Welt wirkt so friedlich, so rein und so klar.
Wenn der Schnee auf die Erde fällt, ist er unschuldig. Niemand weiß, wie lange er bleiben wird. Von vielen voller Sehnsucht erwartet, mit Liebe begrüßt, erfreut er so manches Herz. Er wird geachtet und geschätzt; viel Hoffnung setzen die Menschen in ihn. Er bringt Reichtum, Glück, Freude und all den Spaß des Winters. Er schenkt der Erde ihren Schlaf, denn die Natur braucht die Ruhe, muss neue Kraft sammeln für das kommende Jahr. Manches entschläft für immer, doch vieles erhebt sich wieder, erwacht zu neuem Leben und bringt Freude hervor.

Wie eine Decke legt sich der Schnee über unser Land. Er deckt es zu und streichelt es sanft. Doch er kann auch anders sein. Manchmal weiß er nicht, wann genug ist. Dann wird es zu viel, und er erdrückt das Leben unter sich. Großes Leid und Not breiten sich aus. Seine Unschuld geht verloren, er wird schmutzig und gefährlich, wird zur Bestie, zum Mörder, zur Plage.

Der Schnee ist wie das Leben: Er kommt oft einfach so, von den einen gehasst, von den anderen geliebt. Für manche ist er ein Segen, für andere nur Leid. Doch wenn er vom Himmel fällt, trägt er keine bösen Absichten. Er will Freude bringen über das Land, den Menschen Ruhe schenken und Besinnlichkeit.

Doch wie das Leben selbst erkennt auch er oft nicht, wann es Zeit ist aufzuhören. Es schneit und schneit, er hört die Schreie der Menschen nicht, hört nichts mehr, und deckt alles gnadenlos zu.

Und doch sind es manchmal die Menschen, die den Schnee in Bewegung setzen. Dann stürzt er als Lawine ins Tal, verbittert und voller Wut. Vieles gibt er wieder frei, doch manches behält er für immer bei sich.

Doch so oft – und das ist das Schöne – erfreut er sich am Lachen der Kinder. Dann lässt er die Schneeflocken leise und zart tanzen. Er lässt sich zu strahlenden Gestalten formen und zeigt, dass selbst ein kaltes Herz hell leuchten kann.

Darum schau hinauf in den Himmel, lass dich von den Schneeflöckchen küssen und spüre, wie sie auf deiner Nase tanzen.
Möge die kalte Schönheit dein Herz erwärmen und dir einen inneren Frieden schenken.

 

 

 

 

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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