„Komm … ich biete dir so viel.“ Hörte ich eine Stimme rufen. Es war mein Land der Träume, das nach mir rief.
Plötzlich umgaben mich Düfte, die Bilder in mir wachriefen: gegrillter Fisch, Knoblauch, frische Kräuter und warmes Olivenöl. Süß, sauer, pikant – jeder Duft weckte in mir eine Sehnsucht, die ich längst vergessen glaubte.
Dann hörte ich das leise Rauschen der Wellen. Vor mir versank die Sonne in einem Meer aus Orange, Rosa und Rot. Das warme Licht berührte mich, und mit ihm kam ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.
Menschen lachten und redeten durcheinander, Gläser klirrten. In ihren Händen schimmerte goldener griechischer Landwein.
„Komm!“, rief eine Stimme. „Stoß mit mir auf das Leben an!“
Schon hielt ich einen Ouzo in der Hand. Sein würziger Anis Duft stieg mir in die Nase, der kühle, leicht süße Geschmack lag auf meiner Zunge. Für einen Augenblick schmeckte ich nicht nur den Ouzo, sondern das Leben selbst.
Im Hintergrund erklang griechische Musik. Menschen tanzten Sirtaki, ihre Schritte klangen auf dem warmen Steinboden. Dazu das Lachen, das Gläserklirren, das ferne Rufen der Möwen und das stetige Rauschen des Meeres.
Es war eine jener lauen Sommernacht. Die salzige Luft mischte sich mit dem Duft von Kräutern und gegrillten Speisen. Über mir funkelten tausend Sterne. Ich fühlte mich geborgen, frei und angekommen.
Dann wurde alles still, ich öffnete die Augen und ich lag in meinem Bett.
Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Mein Herz klopfte schneller. Noch immer glaubte ich, das Meer zu hören, roch beinahe den Fisch und die Kräuter und schmeckte den Ouzo auf meinen Lippen.
War das alles nur ein Traum?
Ich schloss noch einmal die Augen. Sofort waren sie wieder da: der Sonnenuntergang, die Musik, das Lachen, die Stimmen.
„Komm …“, flüsterte es in meinem Kopf. „Ich biete dir so viel.“
Ich setzte mich auf und dachte mir, was war das für ein lebhafter Traum. Aber vielleicht wollte er mir auch etwas sagen.
Am nächsten Morgen betrat ich fest entschlossen ein Reisebüro. Wenig später kam ich glücklich und mit zwei Flugtickets wieder heraus.
Als mein Mann am Abend müde und abgeschlagen nach Hause kam, hielt ich ihm die Tickets entgegen.
„Komm“, sagte ich. „Pack die Koffer ins Auto. Wir fahren los.“
Er sah mich verdutzt an. „Ja, aber …“, begann er und fing plötzlich an zu lachen. „Das ist kein Scherz“, sagte ich. „Ich habe alles gepackt. Und sollte uns etwas fehlen, kaufen wir es eben in Griechenland.“
„Du bist ja verrückt“, sagte er kopfschüttelnd und nahm er mich in seine Arme. Und in diesem Moment war er genauso glücklich wie ich. Kurz darauf saßen wir im Auto und waren auf dem Weg zum Flughafen.
Der Flieger war pünktlich, der Flug ruhig und entspannt. Während wir durch die Wolken flogen, fragte ich mich immer wieder, ob ich wirklich wach war oder noch immer träumte.
Und nun?
Nun sitzen wir in einer kleinen Taverne direkt am Meer. Vor uns stehen Oliven, würziger Feta, frisches Brot, gegrilltes Gemüse und duftender Fisch. Der Wein schimmert golden im warmen Licht. Eine salzige Brise streicht über meine Haut, während die Wellen leise rauschen und irgendwo Sirtaki gespielt wird.
Ich sehe meinen Mann an und muss lächeln. Alles ist da: der Duft, das Meer, die Musik, das Licht, die Stimmen. Sogar der Ouzo.
Für einen Augenblick frage ich mich, ob ich damals wirklich geträumt habe – oder ob der Traum mir nur gezeigt hat, was längst in mir lebte.
Vielleicht war es kein Traum, der mich hierhergeführt hat. Vielleicht war es der Mut, auf eine Sehnsucht zu hören, die viel zu lange leise gewesen war. Ich greife nach der Hand meines Mannes und blicke hinaus auf das Meer.
Vielleicht wissen wir nie, wo ein Traum endet, und eine Entscheidung beginnt.
Aber manchmal genügt es, einem leisen Ruf zu folgen, um plötzlich dort zu stehen, wo man immer sein wollte.
Und vielleicht war genau das der eigentliche Traum: nicht Griechenland zu finden, sondern den Mut, dem eigenen Leben zu folgen.





