Die Geschichte von Ostern und dem Osterhasen

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Wie in jedem Jahr freuten sich die Kinder schon lange auf die Osterzeit. Immer wieder fragten sie aufgeregt ihre Großmutter:
„Oma, wann ist es endlich so weit? Wann kommt der Osterhase und versteckt die bunten Eier? Und gibt es auch etwas Süßes?“

Die Großmutter lächelte und winkte sie zu sich.
„Kommt her, setzt euch zu mir. Ich erzähle euch eine Geschichte – die Geschichte vom Osterhasen.“

Neugierig rückten die Kinder näher, setzten sich still neben sie und lauschten gespannt.

„Wisst ihr“, begann die Großmutter, „ganz früher gab es den Osterhasen noch gar nicht. Damals brachten je nach Gegend ganz unterschiedliche Tiere die Ostereier – zum Beispiel ein Fuchs, ein Hahn oder sogar ein Kuckuck.“

Die Kinder sahen sich erstaunt an und kicherten.
„Oma, das glaubst du doch selbst nicht!“

„Doch, doch“, sagte sie schmunzelnd. „Sogar ein Storch oder ein Auerhahn war manchmal dabei.“

„Erst seit etwa 1678 hat sich der Osterhase durchgesetzt. In alten Zeiten galt der Hase als Bote der Frühlingsgöttin Ostara. Außerdem steht er seit jeher für Fruchtbarkeit und neues Leben – schließlich bekommt er schon früh im Jahr Nachwuchs.“

„Aber warum färbt man die Eier?“, fragte Anna neugierig.

Die Großmutter nickte. „Das hat mit der Fastenzeit im Mittelalter zu tun. Damals durfte man keine Eier essen. Damit sie nicht schlecht wurden, kochte man sie. Und damit man später wusste, welche Eier gekocht waren, hat man sie bunt gefärbt. Zu Ostern wurden sie dann gesegnet, verschenkt oder versteckt.“

„Und die Schokolade?“, fragte Kurti mit leuchtenden Augen.

„Die kam erst viel später“, erklärte die Großmutter. „Erst im 19. Jahrhundert gab es die ersten Schokohasen. Mit der Zeit wurden die Ostergeschenke immer größer – manchmal gab es sogar Spielsachen oder besondere Überraschungen.“

Die Kinder hörten gebannt zu und hatten den Osterhasen fast schon vergessen.

Plötzlich sprang der kleine Hans auf.
„Ich habe ihn gesehen! Dort im Gebüsch hat sich etwas bewegt!“

Sofort liefen alle durcheinander los.
Anna kroch unter einen Strauch, Kurti kletterte auf einen Baum, und Hans wusste vor Aufregung gar nicht, wo er zuerst suchen sollte. Die Großmutter nahm ihn an der Hand und half ihm.

Überall wurde gesucht, gelacht und gerufen – jeder wollte sein Nest als Erster finden.

Schließlich kam Anna zurück – mit einem Nest voller bunter Eier, Schokolade und sogar einem Buch. Kurz darauf erschien auch Kurti mit einem gefüllten Nest.

Als Letztes kamen Hans und die Großmutter. Hans strahlte über das ganze Gesicht. In seinem Nest lagen bunte Eier, süße Leckereien und ein Malbuch mit Farbstiften.

Da kam die Mutter lachend aus dem Haus.
„Schnell! Der Osterhase war schon da! Ich hoffe, die Kinder haben nicht unsere Nester entdeckt!“

Nun machten sich auch die Eltern und die Großmutter auf die Suche, und bald hatte jeder sein Osternest gefunden.

Gemeinsam gingen sie ins Haus und setzten sich an den Tisch. Dort begannen sie mit dem Eierpecken. Anna verzog das Gesicht, als ihr Ei als erstes zerbrach – und alle lachten.

Hans jedoch gewann und war mächtig stolz.

Nach einer Weile sagte die Großmutter:
„Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wisst ihr eigentlich, warum wir Ostern feiern?“

„Ja!“, riefen die Kinder. „Aber erzähl es uns noch einmal!“

Die Großmutter nickte.

„Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. Es beginnt mit dem Palmsonntag, wenn Jesus in Jerusalem empfangen wird.

Am Gründonnerstag feiert er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. Doch in derselben Nacht wird er von Judas verraten.

Am Karfreitag wird Jesus gekreuzigt und stirbt.

Der Karsamstag ist ein stiller Tag der Trauer und des Wartens.

Und am Ostersonntag geschieht das Wunder: Jesus ist auferstanden. Dieses Ereignis steht für Hoffnung, neues Leben und den Sieg über den Tod.

Der Ostermontag erinnert an die Zeit danach und ist ebenfalls ein besonderer Feiertag.“

Die Kinder hörten aufmerksam zu.

Anna sagte leise: „Jemanden zu verraten ist wirklich schlimm.“
Die Großmutter nickte ernst. „Ja, Vertrauen zu brechen ist etwas sehr Trauriges.“

Dann lächelte sie wieder.
„Aber jetzt genug der ernsten Worte. Kommt – wir schneiden das Osterlamm an, und es gibt heißen Kakao dazu!“

Die Familie setzte sich zusammen, aß, lachte und sprach noch lange über Ostern, seine Bräuche und die kleinen und großen Freuden dieses besonderen Festes.

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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