Die Zeit wird von Flügeln getragen – manchmal scheint sie zu rasen, manchmal schleicht sie dahin. Für den einen vergeht sie zu schnell, für den anderen zu langsam, mal fühlen wir uns hoch oben getragen, mal tief hinabgezogen. Doch mit etwas Achtsamkeit und Geschick können wir lernen, ihre Höhen und Tiefen besser auszugleichen und bewusster mit ihr umzugehen.
Viele Menschen vergeuden ihre Zeit mit Hass, Neid oder Gier. Sie verlieren sich in negativen Gedanken und übersehen dabei das Gute, das Schöne und Wertvolle, das ihre Zeit eigentlich bereithält. Oft erkennen sie erst, wenn sie spüren, dass ihre Zeit sich dem Ende zuneigt, wie kostbar jeder einzelne Moment gewesen ist. Dann kommen Nachdenklichkeit und Reue. Doch das Leben schenkt vielen noch einmal neue Tage, neue Chancen und damit genügend Zeit, um Fehler zu korrigieren, Verzeihung zu bitten und Gutes zu tun.
Unsere erlebte Zeit ist geprägt von Kummer, Leid und Enttäuschungen – Erfahrungen, die uns formen und stärker machen. Gleichzeitig wird sie aber auch mit Freude, Liebe und Geborgenheit gefüllt. Diese lichtvollen Momente geben unserem Dasein Sinn und Wärme.
Am Ende seiner Zeit sollte jeder Mensch sagen können:
„Ich habe meine Zeit gut genutzt, und ich würde das meiste genauso wieder machen.“
Gewiss gibt es Augenblicke, die man gern rückgängig machen oder vergessen würde. Doch jeder gelebte Moment – ob schmerzhaft oder beglückend – gehört zu unserer begrenzten Zeit. Und genau diese Summe aller Erfahrungen nennt man Leben. Niemand kann seiner Zeit davonlaufen oder sie festhalten, niemand kann sie zurückholen oder vorspulen. Uns ist nur diese eine, endliche Zeit gegeben.
Zu Beginn des Lebens erhält jedes Lebewesen dieses Geschenk – eine bestimmte, unbekannte Anzahl an Tagen. Manche schätzen dieses Geschenk und gehen sorgsam mit jeder Minute um. Andere hingegen sind achtlos und verschwenden ihre Zeit, als wäre sie unerschöpflich. Doch je bewusster wir leben, desto erfüllter wird unsere Zeit.
Je mehr schöne Erinnerungen wir schaffen und hinterlassen, desto länger bleiben wir in den Herzen jener Menschen, mit denen wir unsere Zeit geteilt haben. Es ist wie bei der Geburt eines Kindes: Die Schmerzen verblassen mit der Zeit, doch der Augenblick, in dem eine Mutter ihr Kind zum ersten Mal in den Armen hält, bleibt unvergessen und leuchtet ein Leben lang.
Alles, was du in deiner Zeit gefühlt, gesehen, erlebt und vollbracht hast, wird Spuren hinterlassen. Ein anderer Mensch wird in seiner eigenen Zeit von dir erzählen, wird deine Worte weitertragen oder sich an dein Lächeln erinnern. Auch wenn deine Zeit längst vergangen ist, lebt deine Geschichte in einer anderen Zeit weiter. Und so wird aus begrenzter Zeit etwas, das über sie hinaus Bestand hat – Erinnerung, Liebe und Bedeutung.





