„Gerti, das musst du dir ansehen. Komm auf die Terrasse“, rief Walter und lachte leise.
„Warum lachst du so? Was ist denn heute schon so lustig?“, fragte sie und trat hinaus.
Die kühle Morgenluft umfing sie, und sie schlang die Arme um sich. „Na, das ging jetzt aber schnell – es ist richtig frisch geworden.“
Sie sah sich um, dann wandte sie sich fragend an Walter. „Und? Was ist so lustig?“
Walter deutete mit einer weiten Handbewegung über den Garten. „Der Altweibersommer ist da“, sagte er mit spitzbübischem Funkeln in den Augen.
Gerti sah ihn herausfordernd an und tat gespielt beleidigt. Walter lachte. „Schau doch genau hin, wie schön er ist. Die Spinnennetze glitzern wie mit Perlen besetzt in der Morgensonne, und feine Fäden schweben silbern durch die Luft.“
Er nahm sie in den Arm, und sie lehnte sich an ihn. „Ja, du hast recht“, sagte Gerti versöhnlich. „die Nacht hat den Herbst gebracht.“
„Und bevor du denkst, ich meine dich mit meiner Bemerkung“, fuhr Walter schmunzelnd fort, „erzähle ich dir lieber, warum es Altweibersommer heißt. Das hat nichts mit alten Weibern zu tun. Das Wort stammt aus dem 19. Jahrhundert und kommt von weiben – also weben. Die Spinnenfäden, die jetzt überall silbrig leuchten, erinnern durch die Tautropfen an silbergraue Haare.“
Er zwinkerte. „Und wenn ich dich so ansehe, könnten die Fäden glatt von deinem Kopf stammen.“
Nun musste auch Gerti lachen. Gemeinsam standen sie auf der Terrasse und blickten in den Garten, der in den schönsten Farben erstrahlte.
„Aber weißt du was?“, sagte Gerti schließlich und strich dich eine Haarsträhne aus dem Geschichte. „Man nennt diese Zeit auch Indian Summer. „Das trifft es doch wunderbar, all das passt so wunderbar zu diesem Moment. Es ist, als würde uns der Sonne ein letztes Mal zulächeln, bevor er dich verabschiedet.“
Walter nickte. „Komm, lass uns in die Küche gehen und ein gutes Frühstück genießen.“





