Wie jeden Morgen spazierten Leni und ihr Großvater mit der lebhaften Viszlahündin Gina ihre gewohnte Runde. Gina sprang fröhlich umher, schnüffelte neugierig am Wegesrand und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz. Nach wenigen Schritten sagte Leni:
„Opa, erzähl mir die Geschichte vom Winter und vom Frühling.“
„Ach, du erinnerst dich noch daran?“ lächelte der Großvater. „Na gut, dann hör gut zu.“
„Der Winter war müde geworden. Die Tage wurden länger, die Sonne gewann täglich an Kraft, und die Kälte verlor langsam ihren Biss. Als der Winter durch die Landschaft streifte, sah er bereits erste grüne Knospen aus der Erde sprießen.
‚Frühling, Frühling, komm – du darfst schon kommen‘, rief er und streckte seine Hände aus.
Der Frühling, noch jung und voller Elan, trat hervor. Zögerlich, aber freudig, reichte er dem Winter die Hand.
‚Bist du traurig, weil du jetzt gehen musst?‘ fragte der Frühling leise.
‚Nein‘, antwortete der Winter mit einem sanften Lächeln. ‚Ich hatte eine wunderbare Zeit. Die Kinder freuten sich über den Schnee, bauten Schneemänner und sausten auf ihren Schlitten die Hügel hinab. Ich durfte das Weihnachtsfest begleiten, sah bunte Lichter in den Fenstern und hörte fröhliches Lachen. Nein, ich bin nicht traurig – es ist Zeit zu gehen. Die Natur will erwachen, die Vögel zwitschern bereits leise aus den Büschen, und aus der Erde schauen erste Blüten hervor. Die Sonne möchte sich entfalten und die Tiere aus dem Winterschlaf wecken.‘ ‚Danke, lieber Winter‘ sagte der Frühling gerührt. ‚Du hast mir den Übergang leicht gemacht. Ich werde die Menschen mit Blumen, Licht und lauer Luft begrüßen.‘
Und so breitete der Frühling seinen Umhang über das Land – ein Teppich aus Farben, Düften und Wärme.
Leni sah ihren Großvater an. ‚Opa, jetzt halten wir gemeinsam Ausschau nach dem Frühling. Und wenn er Hilfe braucht, dann reichen wir ihm die Hand.‘
‚Schau nur, wie Gina schnüffelt‘, rief sie lachend. ‚Ich glaube, sie ist dem Frühling schon auf der Spur.‘





