Gina – Unsere kleine Königin auf vier Pfoten

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Diese Geschichte versteht wahrscheinlich nur ein Hundebesitzer – aber genau das macht sie so besonders.

Hier möchte ich euch von einem ganz normalen Tag mit meinem Hund erzählen. Wobei „normal“ bei Gina eigentlich nicht das richtige Wort ist, sie ist eine Königin!

Gina ist nämlich nicht einfach nur ein Hund. Sie ist ein süßes Vizsla-Mädchen, hört auf den Namen Gina und hat längst ihren festen Platz in unseren Herzen und in unserem Alltag.

Und weil bekanntlich jeder Name eine Bedeutung hat, habe ich mich natürlich schlaugemacht. Also der Name Gina stammt aus dem Italienischen und bedeutet übersetzt „die Königin“ und sie hat am 22. August Namenstag.

Na bitte – jetzt ist mir auch einiges klar! So manches Verhalten von ihr lässt sich damit jedenfalls wunderbar erklären.

Im Juli haben wir ihren 10. Geburtstag gefeiert – und ein runder Geburtstag muss natürlich gebührend gefeiert werden. Mit gutem Futter und natürlich einem neuen Bären, dieses Mal ein kleiner Plüschhund.

Und so beginnt unser Tag!

Sobald ich mich morgens im Bett etwas öfter bewege, steht Gina schon schwanzwedelnd neben mir – selbstverständlich mit ihrem „Bär“ im Maul. Bei uns heißen übrigens alle Plüschtiere „Bär“. Ganz egal, ob es tatsächlich ein Bär, ein Hase, eine Katze oder ein Fisch ist. Sogar ein Blumenstock kann gelegentlich zum „Bär“ werden.

So begrüßt sie uns jeden Morgen mit einer Freude, wie sie wohl kein Mensch zustande bringen könnte. Nach der ersten Begrüßung geht es gemeinsam zur Toilette – natürlich nicht ohne Gina. Danach flott hinaus in den Garten zum ersten „Pipimachen“. Wohlgemerkt: Gina macht Pipi, nicht ich.

Und dann kommt dieser ganz besondere Blick. Der Blick einer Königin. In ihren Augen steht ganz eindeutig: „Wo bleibt mein Frühstück?“

Natürlich bekommt sie das sofort. Seit Kurzem gehören auch Tabletten dazu – schließlich ist unsere Königin mittlerweile ein etwas älteres Mädchen. Das Frühstück ist für Gina allerdings in wenigen Minuten Geschichte. Danach schaut sie mich an und ich weiß genau, was sie denkt: „War das alles?“

Natürlich möchte auch ich in Ruhe mein Frühstück genießen. Aber nur so lange, wie Gina mir diese Zeit großzügig gewährt. Denn schon bald ist er wieder da – dieser Blick. Die Botschaft ist eindeutig: „Na, jetzt ist aber meine Morgenrunde dran.“

Also stehe ich auf und sage: „Ja, wir gehen ja schon.“

Sobald Gina bemerkt, dass ich mich in Richtung Vorzimmer bewege, ist sie nicht mehr zu bremsen. Sie hüpft und springt wie ein Welpe. „Ja, warte“, sage ich, „du musst dich doch noch anziehen!“ Dann bekommt sie ihr rosa Halsband, ich nehme die Leine und das Gackerlsackerl – denn wir lassen natürlich nichts liegen. Alles wird eingesammelt und bis zur nächsten Mülltonne mitgenommen.

Und dann geht es los. Bei jedem Wetter. Ob Regen, Sturm oder Schneefall – Gina möchte hinaus und wir gehen.

Zum Glück hat unsere Königin großes Glück: Direkt vor unserem Haus gibt es Wiesen, Wälder und Felder. Dort kann sie freilaufen, schnuppern und die Welt erkunden, wie es ihr gefällt. Gina ist dabei unglaublich brav. Sie bleibt immer in unserer Nähe und ist sehr folgsam.

Auf unserer Morgenrunde gibt es natürlich immer viel zu entdecken. Auf der Weide stehen die Kühe und beobachten Gina ganz neugierig. Ich bin mir manchmal nicht sicher, wer hier eigentlich wen interessanter findet – Gina die Kühe oder die Kühe Gina.

Ein Stück weiter sehen wir die Pferde auf der Koppel. Auch die sind für Gina natürlich interessant. Allerdings muss ich sagen: So ganz geheuer sind ihr die großen Pferde nicht. Die sind ihr dann doch ein bisschen zu groß. Aus sicherer Entfernung schaut sie sich die beeindruckenden Tiere lieber ganz genau an.

 

 

Dann kommen wir an einem Teich vorbei. Dort schwimmen die Enten und schnattern um die Wette. Natürlich muss Gina auch hier ganz genau schauen, was es Neues gibt.

 

 

 

 

Und dann gibt es noch den Fischteich. Der ist ebenfalls jedes Mal höchst interessant. Besonders die Goldfische haben es ihr angetan. Gina besucht sie regelmäßig und könnte ihnen wahrscheinlich stundenlang beim Schwimmen zusehen.

So wird selbst eine ganz gewöhnliche Morgenrunde zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Natürlich treffen wir unterwegs auch andere Hunde. Manche würden gerne mit ihr spielen, und so mancher Rüde versucht sogar, mit ihr zu flirten. Aber Gina weiß genau, was sie will. Sie macht jedem Hund unmissverständlich klar: „Du lässt mich in Ruhe, ich lasse dich in Ruhe – dann kommen wir bestens miteinander aus.“ Und damit ist die Sache meistens auch geklärt.

Nach unserer Morgenrunde geht es wieder nach Hause. Und kaum sind wir zur Tür herein, kommt schon wieder dieser Blick. Der Blick einer Königin. Diesmal bedeutet er: „Wo bleibt eigentlich meine Karotte?“ Natürlich bekommt sie auch die.

Danach ist erst einmal Ruhe angesagt und Gina gönnt sich eine kleine Pause. Zumindest so lange, bis ich den Raum verlasse. Denn kaum mache ich mich auf den Weg, höre ich schon ihre Schritte hinter mir. Egal, wohin ich gehe – Gina folgt mir. Wie ein Schatten.

Bei schlechtem Wetter weiß sie genau, dass nach dem Mittagessen eine gemütliche Ruhepause ansteht. Allerdings muss ich ihr vorher noch erklären: „Gina, die Küche muss erst aufgeräumt werden, dann komme ich.“

Gina darf auf die Bank – aber selbstverständlich nur mit einer Decke darauf. Das weiß sie natürlich ganz genau. Erst wenn die Decke liegt, hüpft sie auf die Bank, legt ihren Kopf in meine Kniebeuge und schließt zufrieden die Augen.

Und wenn ich mich dann irgendwann etwas mehr bewege, schaut sie mich wieder voller Freude an – als wären wir gerade tagelang getrennt gewesen. Dann darf sie noch einmal kurz vor die Tür. Wenn sie wieder hereinkommt, unterhalte ich mich ein wenig mit ihr und erkläre ihr anschließend: „Ich muss jetzt noch etwas arbeiten, Gina. Du entspannst dich inzwischen.“ Mit leicht hängendem Kopf legt sie sich auf ihren Platz.

Wobei „ihren Platz“ eigentlich nicht ganz richtig ist. Sie hat in jedem Zimmer einen. Sie ist schließlich eine Königin.

Und während ich arbeite, beobachtet sie ganz genau, was ich mache.

Inzwischen ist es 17:30 Uhr. Und plötzlich ist er wieder da – dieser Blick. Ich muss gar nicht auf die Uhr schauen. Gina hat ihre eigene innere Uhr, und die funktioniert erstaunlich genau.

Ihr Blick sagt: „Na? Abendrunde ist angesagt!“ Natürlich komme ich ihrer Aufforderung nach.

Also Halsband angezogen, Gackerlsackerl und Leine mitgenommen, und wir gehen eine etwas kürzere Abendrunde. Wenn wir wieder zu Hause sind, gibt es für Gina ihr Abendessen.

Das Abendessen ist für Gina ebenfalls eine Angelegenheit von ungefähr drei Minuten. Danach schaut sie mich an: „Was? Das war’s schon?“ Natürlich nicht. Eine Königin bekommt schließlich auch einen Nachtisch. Eine Karotte. Und die liebt Gina über alles.

Den Abend verbringen wir gemeinsam mit Kuscheln vor dem Fernseher oder – wenn das Wetter schön ist – draußen im Garten.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt für die letzte Runde. Ich brauche dafür keine Uhr. Gina hat ihre innere Uhr. Und die geht punktgenau.

Mit der Taschenlampe in der Hand gehen wir noch einmal eine kleine Runde ums Haus. Gina schnuppert ausgiebig und nimmt sich Zeit, alle wichtigen Nachrichten des Tages zu lesen. Danach geht es zufrieden zurück ins Haus. Mit ihrem „Bär“ im Maul schlüpft sie in ihr Körbchen.

Und dann beginnt das nächste wichtige Ritual: Gina wird mit Streicheleinheiten in ihr Körbchen gebracht. Mit einer Hingabe, die einfach herrlich ist, genießt sie jede einzelne Berührung.

Und wenn es nicht gerade Sommer ist, wird unsere Königin natürlich noch ordentlich zugedeckt, sodass nur noch ihre braune Schnauze hervorschaut. Dann sage ich mit einem Lächeln: „Gute Nacht, Gina.“

Und damit geht ein ganz normaler Tag mit meinem Hund zu Ende. Oder besser gesagt: ein ganz normaler Tag im Leben einer Königin.

Was ich noch erzählen muss:

Gina hat eigentlich nicht nur eine Familie, sondern gleich zwei. Von Sonntag bis Mittwoch ist sie bei Oma und Opa und von Mittwoch bis Sonntag bei Papa und Mama.

Und natürlich wird sie in beiden Familien verwöhnt – allerdings auf ganz unterschiedliche Art.

Bei Oma und Opa gibt es ihre ganz eigenen Rituale und natürlich jede Menge Spaziergänge, einen großen Garten, Liebe, Aufmerksamkeit und Fürsorge.

Eine Zeit lang lebte bei Oma und Opa auch eine Katze – Chico. Und Chico war eindeutig der Meinung, dass er dort zuerst gewohnt hatte und somit auch die Regeln bestimmte.

Die beiden waren zwar nie die allerbesten Freunde, aber sie haben gelernt, sich gegenseitig zu respektieren.

Eigentlich war bereits bei ihrer allerersten Begegnung alles geklärt.

Gina kam neugierig und schwanzwedelnd auf Chico zu – und Chico verpasste ihr kurzerhand eine leichte Ohrfeige. Keine Sorge, es ist nichts passiert. Aber Gina hatte die Botschaft offenbar sofort verstanden: „Alles klar. Du bist hier der Chef.“

Und damit waren die Fronten geklärt. Von diesem Moment an wussten beide, wie sie miteinander umzugehen hatten. Sie gingen sich meistens aus dem Weg und respektierten die Grenzen des anderen.

Leider wurde Chico eines Tages sehr krank und ist schließlich verstorben. Sein Platz blieb leer, und auch wenn Gina und Chico keine großen Freunde gewesen waren, gehörte er zu ihrem gemeinsamen Alltag und damit auch zu Ginas Geschichte.

Seit Chico nicht mehr da ist, hat Gina nun bei Oma und Opa das Haus für sich allein. Die Zeiten haben sich geändert – und Gina ist jetzt die alleinige Königin. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass sie diese neue Position nicht gerade ungern angenommen hat.

Dort weiß Gina nun ganz genau, wie sie ihren Charme einsetzen muss, um das zu bekommen, was eine kleine Königin ebenso braucht.

 

Bei Papa und Mama ist es wieder ein bisschen anders.

Papa ist hoffnungslos verliebt in sein Vizsla-Mädchen. Für ihn ist Gina nämlich noch lange kein älterer Hund. Wenn jemand sagt, dass sie mittlerweile zehn Jahre alt ist, kommt von Papa nur: „Sie ist ja noch ein Welpe!“ Und damit ist eigentlich alles gesagt.

Für Papa wird Gina wohl immer sein kleines Mädchen bleiben.

Mama hingegen passt ganz besonders gut auf ihre Gina auf. Sie achtet darauf, dass ihr nichts weh tut, dass es ihr gut geht und dass sie sich rundum wohlfühlt. Sie sorgt sich um sie, beobachtet sie ganz genau und ist immer zur Stelle, wenn Gina etwas braucht. So, wie es eine richtige Mama eben macht.

Und so wird Gina in beiden Familien auf ihre ganz eigene Weise geliebt, umsorgt und verwöhnt.

Sie hat das große Glück, zwei Zuhause zu haben – und in beiden wird sie behandelt, als wäre sie etwas ganz Besonderes. Was sie natürlich auch ist.

Denn Gina ist nicht einfach nur unser Hund. Sie ist ein Familienmitglied, unsere Begleiterin, unsere kleine Schattenhündin, unsere Kuschelpartnerin und manchmal auch unsere ganz persönliche Chefin.

Aber vor allem ist sie eines:

Unsere Königin!

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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