Zeit, die uns geschenkt war

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Kurt und Rosa planten ihren Urlaub mit jener leisen Vorfreude, die entsteht, wenn zwei Menschen wissen, wie wertvoll gemeinsame Zeit ist. Für Kurt war es ein besonderer Sommer: Nach vielen Arbeitsjahren konnte er endlich seine Pension genießen und das Leben in vollen Zügen auskosten.

Er wusste, wie schnell sich alles verändern kann. Ein schwerer Unfall mit seinem Trail-Motorrad hatte ihm dies vor einiger Zeit schmerzhaft vor Augen geführt. Seit diesem Tag war vieles anders – und Rosa war dankbar, dass er diesen gefährlichen Sport hinter sich gelassen hatte.

Kurt und Rosa hatten sich erst in späteren Jahren kennengelernt. Vielleicht war ihre Liebe gerade deshalb so besonders: Beide wussten, wie selten es ist, einem Menschen zu begegnen, der das eigene Leben noch einmal heller macht.

Rosa hatte bereits einen schweren Verlust erlebt. Sie wusste, wie es sich anfühlt, wenn ein geliebter Mensch plötzlich fehlt. Als Kurt in ihr Leben trat, war es, als hätte das Schicksal ihr eine zweite Chance geschenkt.

Kurt blieb ein Mensch voller Lebensfreude. Eine seiner großen Leidenschaften war das Gleiten mit seiner Zille über die Gewässer. Sobald das Wetter es zuließ, sagte er zu Rosa: „Komm, lass uns gemütlich den Fluss hinauffahren.“

Diese gemeinsamen Stunden bedeuteten beiden sehr viel. Sie fanden darin jene Ruhe und Verbundenheit, die nur in stiller Gemeinsamkeit entstehen kann.

Auch ihre Urlaube verbrachten sie am liebsten in der Natur. Früh am Morgen schnürten sie ihre Wanderschuhe, erklommen Berge, ließen sich vom Regen überraschen und nahmen es mit einem Lächeln hin. Im Sommer lud Kurt seine Zille auf den Anhänger, Rosa stieg ins Auto, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg ans Meer. Dort genossen sie die Weite, die Stille sowie die Sonnen auf- und Sonnenuntergänge. Sie waren glücklich – einfach so, wie es war.

Auch in diesem Jahr fuhren sie voller Vorfreude in den Urlaub. Zwei Wochen lang lebten sie ihr vertrautes Glück. Doch in der dritten Woche zerbrach Rosas Welt erneut.

Am Vormittag hatten sie noch die Stille des Meeres genossen, nichts ahnend, dass Kurt kurze Zeit später einen Herzinfarkt erleiden würde.

Es wurde alles versucht, doch dennoch glitt er ihnen still aus den Händen. Rosa blieb verzweifelt und hilflos zurück – in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht verstand. Wie sie sich fühlte, kann wohl nur jemand nachvollziehen, der Ähnliches erlebt hat.

Zum zweiten Mal nahm ihr das Schicksal einen geliebten Menschen. Zum zweiten Mal wurde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen.

Leider waren Kurt und Rosa nur wenige gemeinsame Jahre vergönnt. Doch in dieser Zeit haben sie intensiver gelebt als manche Menschen in einem ganzen Leben. Diese Erinnerungen bleiben für immer – kostbar und unvergänglich.

Kurt wird uns als liebevoller Partner, lebensfroher Mensch, humorvoller Freund, echter Kumpel und großer Tierfreund in Erinnerung bleiben. Er liebte das Leben und wusste, wie wertvoll es ist. In unseren Geschichten wird er weiterleben.

Wenn das Leben uns so hart prüft, werden wir still. Wir erkennen, dass letztlich nur eines zählt: Dankbarkeit. Dankbarkeit für jeden neuen Tag, für Nähe, für gemeinsame Zeit, für ein Lächeln, für ein gemeinsames Frühstück und für einen Sonnenuntergang.

Denn nichts im Leben ist selbstverständlich. Es kann sich in einem einzigen Augenblick verändern. Aus Glück wird Unglück, aus einem Lachen ein Weinen.

Wenn ein Mensch wie Kurt geht, wird uns bewusst, wie kostbar das Leben ist und wie wenig selbstverständlich ein neuer Tag sein kann.

Und doch sollten wir nie vergessen:

Das Leben ist ein Geschenk. Wir bekommen es nur einmal. Darum sollten wir jeden Tag bewusst leben und dankbar annehmen.

Es war mir eine große Freude, Kurt kennenlernen zu dürfen. In meinem Herzen bleibt er als geselliger, humorvoller und zutiefst liebenswerter Mensch.

Wer ihn kannte, wusste auch um seine große Leidenschaft für seinen Garten. Jahr für Jahr wurden seine Hochbeete größer. In seinem Glashaus zog er schon früh im Frühjahr frisches Gemüse heran – mit Hingabe, Geduld und stillem Stolz. Schritt für Schritt wurde er zum Selbstversorger, der aus seinem Garten nicht nur Nahrung, sondern auch Ruhe, Sinn und Zufriedenheit schöpfte.

Danke, Kurt, für all die schönen und unvergesslichen Stunden.

Dein Lachen, deine Güte und die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit werden bleiben.

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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