Maizauber und Frühlingsglück

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Benannt wurde der Mai nach der römischen Göttin Maia, der stillen Hüterin von Wachstum … und Neubeginn. Seit alten Zeiten trägt dieser Monat viele Namen: Blumenmond, Wonnemonat, Blühmonat — Worte, die klingen wie kleine Gedichte … und den Zauber dieser Wochen einfangen.
Die Geburtsblume des Maies, das Maiglöckchen, verneigt sich in zarter Demut.
Es steht für Reinheit … Bescheidenheit … und Anmut — für jene stille, keusche Liebe, die nicht laut sein muss, … um tief zu berühren. Man nennt den Mai den Monat der Liebe.
Und wer in dieser Zeit durch die Natur geht, spürt sofort warum.
Es ist, als würde die Welt selbst nach Nähe suchen … als reichten sich in diesen Wochen besonders viele Liebende die Hände fürs Leben.

Ach, du liaba Mai — du meinst es guat mit uns.

Die Natur zeigt sich im Übermut des Frühlings: Die Kirsch-, Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume tragen ihre prachtvollen Blütenkleider … wie junge Bräute. Bienen summen geschäftig von Blüte zu Blüte, tauchen tief in den süßen Nektar und kehren schwer beladen … in ihren Stock zurück.
Vögel haben ihre Nester gebaut, brüten geduldig und erfüllen schon die frühen Morgenstunden mit ihrem fröhlichen Zwitschern. Und wenn die Schwalben zurückkehren, scheint es, als brächten sie den Sommer gleich mit ihren Flügeln herbei.

Der Mai ist auch der Monat der Eisheiligen — jener letzten, kühlen Tage, an denen der Winter noch einmal leise … anklopft. Ein letztes Flüstern der Kälte, bevor die Wärme endgültig bleibt.

Viele alte Bräuche begleiten diesen Monat. In der Nacht zum 1. Mai wird der Frühling mit dem Tanz in den Mai begrüßt — mit Musik … Lichtern … und fröhlichem Beisammensein. Am Morgen darauf wird der Maibaum aufgestellt, geschmückt mit bunten Bändern und Kränzen. Er steht für Fruchtbarkeit, Gemeinschaft und die Kraft des Neubeginns.

Rund um den Baum beginnt das fröhliche Treiben. Musik erklingt, Kinder lachen, und die jungen Burschen probieren ihr Glück: Sie klettern den glatten Stamm hinauf — ganz ohne Hilfen, nur mit Kraft, Mut und a guatem G’fühl in de Händ. Es ist ein alter Brauch, bei dem man zeigt, was in einem steckt. Wer’s bis ganz nach oben schafft, holt sich oft a Belohnung — a Bussal von der Maikönigin.

Und wie es der alte Brauch will, darf ein Maibaum sogar gestohlen werden — aber nur mit List … Respekt … und einem Augenzwinkern. Gelingt dieser nächtliche Streich, wird der Baum später ausgelöst, meist mit Speis, Trank … und viel Gelächter.

So war’s halt immer im Dorf — a bisserl Spaß muaß sein.

Wenn der Mai seine ersten warmen Abende schenkt, dann duftet es mancherorts nach Maibowle. Aus frischem Waldmeister bereitet, leicht … grün … aromatisch, ist sie seit Generationen ein fröhlicher Begleiter der Maifeiern. Man sitzt beisammen, hebt die Gläser, und der Waldmeister schenkt dem Getränk jenen feinen, fast märchenhaften Duft, der an Waldwege … und Kindheitstage erinnert. Ein Schluck Frühling — so leicht, so heiter, so typisch Mai.

In vielen Dörfern lädt der Mai zu Mostverkostungen ein. Man probiert den neuen Most, erzählt Geschichten … und spürt, wie das Leben wieder leichter wird. Auch die ersten Erdbeeren zeigen sich — kleine rubinrote Versprechen des Sommers.

Für viele Menschen ist der Mai auch der Marienmonat. Blumengeschmückte Altäre … Kerzenlicht … und leise Gebete schenken Ruhe und Trost. Ein Monat, in dem Blütenduft und Andacht sich die Hand reichen.

Und dann ist da noch der Muttertag. Kinder pflücken Blumen, basteln kleine Geschenke und tragen Gedichte vor. Ein einziges Kinderlächeln genügt — um jedes Mutterherz höher schlagen zu lassen.

Ach, du lieber Mai — wie lange haben wir dich erwartet. Mit deiner Wärme … deinem Licht … und deinen Blüten bringst du Hoffnung zurück. Du bist der sanfte Vorbote des Sommers, der Monat, in dem die Welt wieder Farbe annimmt und die Herzen ein wenig leichter werden.

 

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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