Weihnachten – das war meine Mutter

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Weihnachten und meine Mutter

Je älter ich werde, desto deutlicher spüre ich: Den Zauber von Weihnachten verdanke ich ganz allein meiner Mutter.

Sie war für uns das Christkind in Menschengestalt, leise, liebevoll, selbstlos. Sie war es, die Heiligabend zu einem unvergesslichen Fest machte, das bis heute in mir nachklingt.
Wie sie das schaffte, weiß ich bis heute nicht. Für jedes ihrer sechs Kinder lag immer ein Päckchen unter dem Christbaum, selbst in Jahren, in denen sie kaum etwas hatte. Sie musste jeden Groschen umdrehen, bevor sie ihn ausgab. Und trotzdem stand an Heiligabend ein warmes, gutes Essen auf dem Tisch, als hätte sie aus Luft und Liebe etwas Kostbares geschaffen.

Und zur späten Stunde, wenn wir Kinder alle glücklich und zufrieden eingeschlafen waren, saß Mutter noch allein vor dem Christbaum. Das sanfte Licht der Kerzen spiegelte sich in ihren Augen, und in dieser Stille wanderte ihr Herz zurück in die eigene Kindheit. Ein Engel aus Papier erinnerten sie an die Hände ihrer Mutter, die einst mit derselben Liebe den Baum geschmückt hatte. Sie dachte an Weihnachten, als sie selbst noch ein kleines Mädchen war. Es war, als ob die Zeit für einen Augenblick stillstand. Sie sah ein kleines Mädchen, das glücklich vor einen kleinen Christbaum stand, der mit Strohsternen und Lebkuchen geschmückt war. Für sie war das etwas kostbares, denn sie wuchs unter sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Natürlich lag auch für sie ein Geschenk unter dem Baum. Ihre Mutter hatte aus feiner Wolle eine rote Mütze und passende Handschuhe gestrickt. In diesem Moment musste Mutter lächeln, denn sie sah diese Mütze und die Handschuhe so deutlich vor sich, als wäre es erst gestern gewesen.
Und während die Kerzen am Baum niedergebrannt waren, saß sie da, dankbar und mit einem Lächeln, das nur jene kennen, die wissen, wie sehr Weihnachten ein Fest der Herzen ist.

Erst heute, als Erwachsener, begreife ich wirklich: was Weihnachten war. Es war nicht der Baum, nicht die Geschenke, nicht das Essen.

Sie selbst war das größte Geschenk, das ich mir bis heute wünsche.

Durch sie wurde Weihnachten mehr als ein Fest, es war Magie, ein stilles Staunen. Ein Zuhause voller Geborgenheit und Liebe. Noch heute sehe ich ihr Lächeln vor mir, dieses echte, helle, glückliche, wenn sie in die zufriedenen Gesichter ihrer Kinder sah.

Weihnachten – das war meine Mutter.

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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