Die Buchstabentruhe

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Leise öffnete ich die Tür in das alte Zimmer, der alte Bretterboden knarrte ein wenig. Und hier stand sie, diese schöne alte Truhe, aus der ich immer seltsame Geräusche war nahm.

Ich schlich mich leise auf die Truhe zu, es war mir jedoch ein wenig unheimlich, doch die Neugierde war größer als die Angst. So stand ich nun davor und lauschte diesen Geräuschen. Es war ein Schieben, Fallen, Wischen, Stupsen und manchmal dachte ich mir, ich höre ein lustiges Lachen. Es ging drunter und drüber, dann war es wieder als würde sich jemand streiten, weinen. Es war geheimnisvoll, spannend, lustig und auch traurig, meine Neugier wurde immer größer.

Was oder wer ist hier eingesperrt, wie lange musste das oder dieses auf mich warten? Doch nun bin hier und ich werde dieses Geheimnis lüften.

Mit klopfendem Herzen legte ich meine Hand auf den Deckel und hob ihn hoch. Was dann geschah, war so unbegreiflich schön, es versetzte mich in eine andere Welt.

Viele, viele Buchstaben stiegen tanzend aus dieser Kiste und bald füllte sich der ganze Raum damit, sie funkelten und waren dankbar. Sie umkreisten meinen Kopf und alle wollten mir etwas sagen.

Alle Buchstaben riefen durcheinander: „Wo warst du so lange, wir warten doch schon so lange auf dich“.  Erstaunt stand ich hier und wusste nicht wie mir geschah. Aus dieser Truhe kamen noch so viele überwältigende Gefühle auf mich zu, der ganze Raum fing an sich zu drehen.

Ich fühlte Glück, Freude, Spaß, Zärtlichkeit, Liebe, Hoffnung doch auch Trauer, Sehnsucht, Schmerz, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Die Gefühle überschlugen sich, alles stürmte auf mich zu. Ich dachte ich müsste sterben, ich bekam keine Luft mehr.

Doch dann kam ein Buchstabe nach dem anderen und sie flüsterten mir in das Ohr: „Du brauchst keine Angst zu haben, den all das was du jetzt gefühlt hast, hat dich belastet, hat dir den Schlaf geraubt. Hat dein Herz und deiner Seele großen Schaden zugefügt und aus diesem Grund, haben wir dich gerufen.
Du musst uns zu Worte formen und die Worte aneinanderreihen, bis du all deine Gefühle zu Geschichten geschrieben hast. Du wirst es spüren, alles was dich belastet und um deinen Schlaf gebracht hat, wird mit jedem Buchstaben den du zu Worte (Geschichten) formst, von dir weichen. Doch nicht nur dir wird es besser gehen, auch all die Menschen, die so empfinden wie du, werden deine Geschichten lieben.

Du kannst verschwenderisch mit uns sein, flüsterten sie mir in das Ohr. Wir sind so viele und werden erst mit deinem letzten Atemzug zu Ende sein.

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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