Zwischen Abschied und Ankunft

Jetzt teilen
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

Am Ende unseres Lebens gehen wir alle diesen Weg.
Ob alt oder jung, ob krank oder scheinbar gesund – aus den unterschiedlichsten Gründen führt er uns eines Tages dorthin.

Manche erreichen ihn nach einem langen Ringen mit Schmerzen und spüren Erleichterung, weil eine Welt ohne Leid auf sie wartet. Andere gelangen aus innerer Verzweiflung zu diesem Punkt und sehnen sich nach Frieden, den sie im Leben nicht mehr finden konnten. Es gibt jene, die traurig und überrascht vor diesem Weg stehen und sich wünschen, sie könnten umkehren.
Und besonders schwer ist es für diejenigen, die durch die Hand eines anderen dorthin gestoßen wurden – sie verstehen nicht, warum sie hier sind. Manche sind viel zu jung, und doch wurde ihnen dieser Weg viel zu früh auferlegt.

Und wir alle, ohne es zu ahnen, stehen irgendwann in dieser Reihe.

Doch wenn dieser Weg sich öffnet, zeigt sich am Horizont kein Ende, sondern ein leiser Anfang. Ein Ziel, das nicht dunkel ist, sondern weich, weit und voller Frieden. Dort, wo wir ankommen, dürfen wir mit Dankbarkeit und Liebe auf jene blicken, die sie zurücklassen mussten.

Wir gehen irgendwo zwischen dem Ort, den wir verlassen haben, und dem, den wir noch nicht kennen, beginnt die Welt leiser zu werden. Die Schritte werden langsamer, die Zeit existiert nicht mehr. In diesem Zwischenraum lösen sich die Konturen des Alten, ohne dass das Neue schon Form angenommen hätte. Es ist ein Atemzug, der sich dehnt, ein Moment, in dem wir weder festhalten noch eilen müssen. Vielleicht geschieht genau hier das Wesentliche: dass wir uns selbst zuhören, während die Zeit für einen Augenblick stillsteht und uns erlaubt, anders weiterzugehen als wir gekommen sind.

Es ist kein Abschied, es ist ein Übergang, der etwas Unbegreifliches eröffnet – ein neuer Anfang.
Vielleicht ist es ein Heimkommen – Vielleicht ein Weitergehen – Vielleicht ein Wiedererkennen in einer Form, die wir noch nicht verstehen.

Aber eines bleibt gewiss: Die Liebe, die wir gegeben haben, bleibt zurück. Die Liebe, die wir empfangen haben, nehmen wir mit uns.
Und so wird aus dem letzten Schritt kein Ende, sondern der erste Schritt in ein neues, stilles Wunder.

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
Facebook
Twitter
Email
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Geschichten

8.März – Weltfrauentag

Ein Hoch auf die Frauen! Heute feiern wir die Frauen, die den Alltag zusammenhalten, während alle anderen überzeugt sind, dass sich Termine, Kühlschränke, Wäsche, Familienprobleme

Der kleine Knopf

Am frühen Morgen blieb Karin einen Moment am Fenster stehen. Draußen hing der Himmel grau und schwer über den Dächern, ein feiner Nieselregen zog leise

Die Elfe am Fenster

  Als ich an einem sonnigen Morgen in die Stube kam, erblickte ich eine kleine, zarte Elfe, die am Fenster saß. Ich war entzückt, fasziniert

Wenn der Frühling Erwacht

  Ich trage den Frühling bereits in mir. Mit jedem Schritt, den ich setze, weicht der Schnee unter meinen Füßen zurück, und aus dem kalten

Das Haus der Erinnerungen

  Heute schien mir der richtige Moment gekommen zu sein, das Haus meiner Omi zu betreten. Vor einigen Wochen war sie für immer von uns

Schreib mir was Nettes

Du hast Fragen oder möchtest mir gerne etwas mitteilen? Feedback, Anregungen?

Willkommen bei den kleinen Geschichten!

Hier findet ihr Texte, Gedichte und kleine Weisheiten aus dem alltäglichen Leben. Geschichten die das Leben schreibt.

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest.

Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken
.

Eure Liselotte