Morgen wird es besser.“
Ein Satz, so klein, dass er fast zerbrechlich wirkt. Und doch klammert man sich an ihn, wenn die Nacht schwer auf der Brust liegt. Denn nachts wird alles dunkler, lauter, schmerzhafter. Gedanken, die tagsüber leise waren, schreien plötzlich. Sorgen, die man tragen konnte, drücken einen zu Boden.
Und dann kommt der Morgen.
Das Licht fällt durchs Fenster, und für einen Moment atmet man leichter. Die Last ist noch da, aber sie wirkt nicht mehr unbezwingbar. Man sagt sich: Heute schaffe ich es. Heute löse ich das Problem.
Doch wenn sich nichts ändert, wenn das Gespräch fehlt, die Lösung ausbleibt, dann kommt die nächste Nacht. Und mit ihr die Schwere, die man schon zu kennen glaubt. Wieder flüstert man: Morgen wird es besser.
Aber wie viele Morgen kann ein Mensch vertragen, bevor er merkt, dass er im Kreis läuft?
Irgendwann kommt der Moment, an dem man sich selbst nicht mehr ausweichen kann. Ein Moment, der Mut verlangt – den Mut, ehrlich zu sein. Schonungslos ehrlich. Denn es wird immer einen neuen Morgen geben, aber nicht jedes Problem lässt sich lösen. Und manche Lasten kann nur ich selbst ablegen. Nicht das Licht des Tages, nicht die Zeit, nicht das Hoffen.
Erst wenn ich aufhöre, mich mit dem Morgen zu trösten, erkenne ich:
Nicht der neue Tag verändert mein Leben. Ich tue es.
Und manchmal beginnt dieser Schritt nicht im Morgenlicht, sondern in einem Abend, an dem ich endlich beschließe, mich selbst nicht länger zu belügen.
Dann kann ich sagen: Morgen wird es besser.
Und diesmal stimmt es.





