Als Else an diesem Morgen kurz vor ihrem Spiegel stehen blieb, sah sie ein junges Mädchen, das ihr entgegenlächelte. Ein Mädchen mit leuchtenden Augen, bereit für das Leben.
„Ja“, dachte sie, „gestern war ich noch jung und voller Träume.“
Sie betrachtete ihr Spiegelbild länger als sonst. Nicht traurig blickte sie sich an, und Bilder stiegen in ihr auf: die erste Liebe, der erste Kuss, Sommerabende, an denen sie barfuß über Wiesen lief. Nächte, in denen sie Pläne schmiedete. Momente, in denen sie lachte, ohne zu wissen, warum – einfach so, weil das Leben schön war.
„Wo ist all das geblieben?“, fragte sie sich leise. „Mein Lachen, meine Neugier, mein naiver Glaube, dass alles gut wird?“ Doch je länger sie hinsah, desto deutlicher erkannte sie etwas: Das Mädchen war nicht verschwunden. Es war nur stiller geworden, vom Leben geprägt.
Sie lächelte ihrem Spiegelbild entgegen und sagte flüsternd: „Du hast es gut gemacht. Es haben sich nicht alle Träume erfüllt, aber die wichtigen schon. Und die anderen sind noch da, und von denen träume ich nachts noch immer. Vielleicht“, dachte sie, „ist noch nicht alles vorbei. Vielleicht wartet noch etwas auf mich. Noch bin ich nicht zu alt dafür, etwas Neues zu entdecken.“
Mit einem Augenzwinkern blickte sie noch einmal das junge Mädchen im Spiegel an und ging mit leichtem Schritt dem neuen Tag entgegen, bereit und offen für das, was noch kommen könnte.





