Elyrion, das Land das man nur im Herzen findet

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Berta erwachte nach einer unruhigen Nacht und fühlte sich noch immer müde. Langsam schlüpfte sie in ihre Hausschuhe und trat ans Fenster. „Ach“, dachte sie, „was für ein Wetter.“

Sie drehte sich um, kroch wieder in ihr warmes Bett und kaum hatte sie die Augen geschlossen, fiel sie in einen tiefen, traumreichen Schlaf.

Sie fand sich in einer Welt wieder, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Es war hell und still – nicht unheimlich still, sondern eine Stille, die Geborgenheit, Liebe und tiefe Zufriedenheit in sich trug. Vor ihr breitete sich ein weicher Weg aus frischem, grünem Gras aus. Barfuß und mit leichten Schritten folgte sie ihm, und sie hatte das Gefühl, als würde jemand flüsternd sagen: „Du bist angekommen. Atme und sei frei.“

„Ja“, dachte sie, „ich bin angekommen. Und hier möchte ich für eine Weile bleiben.“

Leicht, fast als würde sie auf Wolken gehen, schritt sie weiter in diese ihr unbekannte Welt. Die Luft füllte sich mit einer zarten Melodie, die sie noch nie gehört hatte – und doch war sie ihr seltsam vertraut. Sie summte sie mit, ohne nachzudenken. Und plötzlich erinnerte sie sich an ihren Namen. In diesem Augenblick wusste sie: Sie war in Elyrion angekommen.

„Eiyrion…“, flüsterte sie, und sie hatte das Gefühl, als wäre sie schon einmal hier gewesen. Sanft strich der Wind über ihr Gesicht, warm und zärtlich, als würde er sie willkommen heißen. Berta spürte, sie war hier nicht nur angekommen, sie war erwartet worden.

Neben ihr plätscherte ein kleines Bächlein, als würde es sagen: „Komm, lass uns ein Stück gemeinsam gehen.“ Berta ließ sich ins weiche Moos sinken und legte sich hin, als würde sie in ihrem eigenen Bett liegen. Über ihr spannte sich ein klarer, blauer Himmel, und die Sonne schien ihr zuzuzwinkern.

Sie musste lächeln, denn die Vögel tanzten wie kleine Schirmchen am Himmel.

Lustig zwitscherten sie ihre Melodien, und Berta hatte das Gefühl, als würden sie nur für sie singen.

Berta lauschte noch immer dem Zwitschern der Vögel, als das kleine Bächlein neben ihr plötzlich ruhiger wurde. Das Wasser schien für einen Moment den Atem anzuhalten. Dann geschah es.

Ein einzelner Lichtfunke stieg aus dem Bach empor, zart wie ein Tropfen. Er schwebte über der Wasseroberfläche, zitterte leicht — und begann sich zu formen. Langsam und nicht erschreckend. Es war, als würde jemand aus feinen Fäden ein Zauberwesen weben. Das Zauberwesen streckte sich, wurde größer, und langsam entstand daraus eine kleine Gestalt — kaum größer als Bertas Hand. Ihr Körper schimmerte in den Farben eines Regenbogens. Das Wesen hatte Flügel, zart wie die Flügel einer Libelle, sie leuchteten in sanften Farben, die sich mit jedem Atemzug veränderten. Es setzte sich auf einen Grashalm, der sich unter seinem Gewicht kaum bewegte. Dann hob es den Kopf und sah Berta an. Mit einem Blick, der direkt ins Herz ging. Ein warmer Gedanke berührte Bertas Seele, so klar, als hätte jemand zu ihr gesprochen: „Hab keine Angst. Ich bin hier.“

Berta spürte, wie sich etwas in ihr löste — eine alte Müdigkeit, ein leiser Schmerz, den sie lange mit sich getragen hatte. „Wer bist du?“ dachte sie, und das Wesen neigte den Kopf, als hätte es die Frage verstanden. „Ich bin Liora, dein Licht in der Dunkelheit. Und ich habe dich erwartet.“

Liora erhob sich und schwebte näher zu Berta, bis sie nur noch eine Armlänge entfernt war. Ein Gedanke berührte Berta, so leicht wie ein Sonnenstrahl am Morgen: „Du musst nicht fürchten, dass ich nur hier existiere.“ Berta blinzelte. „Wie meinst du das?“, dachte sie, und ihr Herz klopfte ein wenig schneller. Liora legte ihre winzigen Hände an ihr eigenes Herz, als würde sie etwas darin halten. Dann öffnete sie sie — und ein kleiner heller Tropfen aus reinem Licht, schwebte langsam auf Berta zu und blieb direkt vor ihrem Herzen stehen.

„Elyrion lebt in dir,“ flüsterte der Gedanke, „und wo du bist, bin auch ich.“ Der Funke sank sanft in Bertas Brust, ohne Schmerz, nur mit einem warmen Kribbeln, das sich ausbreitete wie ein Lächeln. „Wenn du heimkehrst,“ sprach Liora weiter, „wirst du mich nicht sehen. Aber du wirst mich fühlen. In jedem Atemzug, in jedem Lichtstrahl, in jedem Moment, in dem du dich erinnerst, dass du nicht allein bist.“
Berta spürte Tränen in ihren Augen, doch es waren keine traurigen Tränen. Es waren Tränen der Gewissheit. „Ich werde bei dir sein,“ sagte Liora, „in deiner Welt und in deinem Herzen.“

Berta öffnete die Augen langsam, als würde sie aus weiter Ferne zurückkehren. Das Erste, was sie spürte, war die Wärme. Nicht die Wärme ihrer Decke. Sondern eine innere Wärme, ein leises Glücksgefühl, das sie nicht kannte und das doch vertraut war. Sie lag wieder in ihrem Bett. Der Morgen war noch immer grau und trüb. Doch irgendetwas hatte sich verändert. Sie legte ihre Hand auf ihre Brust. Genau dort, wo der Lichtfunke verschwunden war. Und sie fühlte es — ein sanftes Pulsieren, wie ein kleiner Herzschlag aus Licht. Ein Gedanke, kaum hörbar, streifte ihr Bewusstsein: „Ich bin hier.“

Berta lächelte und wusste, sie träumte nicht mehr und sie wusste: „Ich bin nicht mehr allein,
Elyrion war kein Traum. Es lebt in mir.“

Sie setzt sich auf, schaut aus dem Fenster, und obwohl der Himmel noch immer grau ist, wirkt er nicht mehr drückend. Denn sie spürt: eine Leichtigkeit, die sie vorher nicht kannte, eine Ruhe, die nicht von dieser Welt ist, eine Stärke, die nicht laut ist, sondern warm und Lioras Licht, das in ihr weiterglimmt. Nicht durch Stimmen. Sondern durch kleine, stille Zeichen:

Wenn Berta ein Sonnenstrahl berührt, fühlt sie ein kurzes Kribbeln. Wenn sie die Augen schließt, hört sie die Melodie von Elyrion. Wenn sie traurig wird, spürt sie plötzlich Wärme in der Brust. Wenn sie unsicher ist, kommt ein Gedanke wie ein Flüstern: „Atme. Ich bin da.“

Ein Lächeln huschte über Bertas Gesicht. Liora ist bei ihr, nicht sichtbar, aber spürbar in ihrem Herzen.

 

 

 

 

 

Über die Autorin
Bild von Liselotte

Liselotte

Seit vielen Jahren schreibe ich leidenschaftlich gerne und halte meine Gedanken, inspiriert durch Schicksale, Lebensveränderungen oder Erlebnisse auf Papier fest. Manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer ein wenig zum Nachdenken.
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